Der Besessene

Die Sonne ward in Trauerflor gehüllt. So auch du,
Oh meines Lebens Mond! Finster umwölk dich,
Schlafe, rauche nach Belieben; sei stumm, sei betrüblich,
Und tauche tief in des Abgrunds ew’ger Ruh;

Darum lieb ich dich! Jedoch, wenn du wünschtest heute,
Wie ein Stern der Eklipse Schatten zu entfliehen,
An Stätten stolz zu wandeln, wo nur Wahnsinn gediehen,
Nur zu! Du schöner Dolch, heraus aus deiner Scheide!

Entflamme deinen Blick am Feuer der Kerzen!
Entflamme die Gier in der Flegel rohen Herzen!
Du bist mir immer Lust, matt oder ungestüm;

Sei was du willst sein, schwarze Nacht, Auroras roter Schein;
Keine Faser meines Körpers, die nicht bebte und schrie:
Oh mein geliebter Beelzebub, ich bin auf ewig dein!

 

Charles Baudelaire (1821-1867)

 

 

 

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